Dispokredit abbauen: wie der Dispo ein Enddatum bekommt
Ein Ratenkredit endet an einem Tag, der im Vertrag steht. Beim Dispo steht dieser Tag nirgends, weil es ihn nicht gibt, solange du ihn nicht selbst festlegst.
Von Deniz Erginos. Stand
Ein Dispokredit ist der einzige Kredit in einem normalen Haushalt, der sich nicht selbst zurückzahlt. Ein Ratenkredit hat eine Laufzeit, eine feste Rate und ein Datum, an dem er erledigt ist. Der Dispo hat davon nichts. Die Bank räumt dir einen Betrag ein, du darfst ihn nutzen, und du darfst ihn zurückzahlen, wann du willst. Genau diese Freiheit ist der Grund, warum er bleibt: es läuft kein Tilgungsplan im Hintergrund, es geht keine Rate automatisch ab, und es gibt keinen Restbetrag, der jeden Monat kleiner wird. Der Dispo hat auch kein Ende nach hinten, er läuft, solange das Konto läuft, und die Bank verlangt nichts von dir, solange du innerhalb des eingeräumten Betrags bleibst. Der Kontostand bewegt sich, aber er zählt nichts herunter. Wenn der Dispo sinken soll, muss jemand das entscheiden, und dieser jemand bist du.
Der Monat setzt den Stand jedes Mal zurück
Das Muster wiederholt sich. Das Gehalt kommt, das Konto ist für ein paar Tage weniger tief im Minus, dann laufen Miete, Versicherungen, Abbuchungen und der Einkauf durch, und am Monatsende steht das Konto dort, wo es vor dem Gehalt stand. Der Dispo wurde nicht abgebaut, er wurde nur zwischendurch kurz entlastet. Für die Kosten ist das der entscheidende Punkt, denn beim Dispo laufen die Zinsen nicht auf einen Kreditbetrag. Sie laufen auf den Betrag, der tatsächlich im Minus steht, und auf die Tage, an denen er im Minus steht. Zwei Wochen tief im Minus kosten mehr als zwei Wochen knapp unter der Linie. Wer nur am Ersten des Monats auf den Stand schaut, sieht deshalb einen anderen Dispo als den, für den er zahlt. Abgerechnet wird meist quartalsweise, den Takt nennt das Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank. Die Bank bucht die Zinsen von demselben Konto ab, das schon im Minus ist. Damit erhöht die Zinsbuchung den Betrag, auf dem die nächsten Zinsen laufen.
- Der eingeräumte Betrag: er steht im Online-Banking und im Kontovertrag und ist meist an dein regelmäßiges Einkommen gekoppelt.
- Der Sollzinssatz für den eingeräumten Dispo: er steht im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank, er ist variabel, und die Bank darf ihn ändern.
- Der Zinssatz für die Überziehung über den eingeräumten Betrag hinaus: eine zweite, höhere Zahl an derselben Stelle im Verzeichnis.
- Der tiefste Kontostand der letzten Monate. Schau auf die Tage kurz vor dem Gehalt, denn das ist der Betrag, der bei dir tatsächlich finanziert wird.
- Die Summe der festen Abbuchungen: sie bestimmt, an welchem Tag im Monat dieser tiefste Stand erreicht wird.
- Die Zinsbuchung auf dem Kontoauszug: sie kommt meist quartalsweise und zeigt, was der Dispo im letzten Vierteljahr gekostet hat.
Art. 247a § 2 EGBGB, Gesetze im InternetDer amtliche Wortlaut zur Preisinformation beim Dispo. Nach Absatz 2 muss die Bank den Sollzinssatz für den eingeräumten Dispo in ihren Entgeltinformationen und auf ihrer Webseite deutlich angeben, nach Absatz 3 gilt dasselbe für den Zins der geduldeten Überziehung.
Warum der Zins beim Dispo oben liegt
Der Dispozins liegt in aller Regel über allem anderen, was ein Haushalt an Kredit hat, und das liegt am Produkt, nicht an dir. Ein Ratenkredit ist für die Bank planbar: Laufzeit und Rate stehen im Vertrag, der Tag der letzten Zahlung ebenfalls, und der Betrag wird einmal geprüft und einmal ausgezahlt. Beim Dispo fehlt all das. Die Bank muss den eingeräumten Betrag jederzeit bereithalten, auch in den Monaten, in denen du ihn nicht anrührst. Sie bekommt keine Sicherheit und keinen Rückzahlungstermin. Du kannst am Dienstag das Limit ausschöpfen und am Freitag alles zurückzahlen, ohne jemanden zu fragen und ohne eine Gebühr dafür. Diese Verfügbarkeit ist der eigentliche Vorteil des Dispos, und sie ist auch das, was die Bank in den Zinssatz einrechnet. Wenn du den Betrag über Monate schuldest, bezahlst du eine Flexibilität, die du in dieser Zeit nicht brauchst. Der Satz ist zusätzlich variabel und kann sich ändern, ohne dass du etwas Neues unterschreibst.
Hinter dem eingeräumten Dispo liegt eine zweite Stufe, die geduldete Überziehung. Sie beginnt, wenn das Konto unter den eingeräumten Betrag rutscht und die Bank die Buchung trotzdem durchgehen lässt. Für den Teil, der über dem eingeräumten Betrag liegt, gilt dann ein eigener, höherer Zinssatz. Das ist der teuerste Zustand, den ein Girokonto haben kann, und er entsteht meist ohne Entscheidung: eine Abbuchung kommt einen Tag vor dem Gehalt, und die Grenze ist überschritten. Den Übergang merkt man nicht, weil eine Kartenzahlung oder eine Lastschrift einfach durchgeht. Die Bank ist dazu nicht verpflichtet und kann Buchungen auch zurückweisen, was auf der Gegenseite Rücklastschriftkosten auslöst. Wenn ein Konto über längere Zeit stark überzogen ist, muss die Bank dich darauf ansprechen und ein Beratungsgespräch über günstigere Möglichkeiten anbieten. Dieses Gespräch lohnt sich, denn es ist der Moment, in dem du fragen kannst, was die Bank an Umschuldung anbietet.
§ 504a BGB, Gesetze im InternetDer amtliche Wortlaut zur Beratungspflicht beim Dispo. Nach Absatz 1 muss die Bank eine Beratung anbieten, wenn der Dispo sechs Monate ununterbrochen und im Durchschnitt zu mehr als 75 Prozent genutzt wurde, Absatz 2 regelt den Inhalt des Gesprächs.
§ 505 BGB, Gesetze im InternetDer amtliche Wortlaut zur geduldeten Überziehung. Absatz 1 verlangt die Angaben zum Entgelt dafür im Kontovertrag, Absatz 2 Satz 2 wendet die Beratungspflicht an, wenn die Überziehung länger als drei Monate dauert und im Durchschnitt mehr als die Hälfte der monatlichen Geldeingänge beträgt.
Dem Dispo ein Enddatum geben
- Selbst eine Rate festlegen
- Du bestimmst einen Betrag, der jeden Monat sicher übrig bleibt, und behandelst ihn wie eine Kreditrate. Der Dispo sinkt dann in Stufen, die du kommen siehst. Damit das trägt, muss der Betrag klein genug sein, dass du ihn in der zweiten Monatshälfte nicht zurückholen musst.
- Umschuldung in einen Ratenkredit
- Ein Ratenkredit löst den Dispo ab und macht aus einem offenen Saldo eine Laufzeit, eine Rate und ein Enddatum. Der Zinssatz liegt in der Regel niedriger, weil die Bank jetzt einen Plan und eine Tilgung bekommt.
- Die Falle bei der Umschuldung
- Der Dispo verschwindet dabei nicht. Nach der Ablösung steht die Linie wieder in voller Höhe zur Verfügung, und wird sie erneut genutzt, trägt der Haushalt beides: die Kreditrate und den neuen Dispo. Die Entscheidung über die Linie gehört deshalb in das Gespräch, bevor der Kredit ausgezahlt wird.
Ein abgebauter Dispo bleibt nur abgebaut, wenn die nächste unerwartete Rechnung nicht wieder auf ihm landet. Genau dafür ist ein kleiner fester Betrag außerhalb des Girokontos gut, auf einem Tagesgeldkonto oder einem zweiten Konto ohne Karte. Die Höhe ist weniger wichtig als die Trennung. Solange das Geld auf dem Girokonto liegt, ist es Teil des Monats und wird mitverbraucht, ohne dass jemand darüber entscheidet. Liegt es daneben, wird die Reifenrechnung oder die Nachzahlung des Stromversorgers dort abgeholt, und der Kontostand bleibt, wo er ist. Der Puffer ist kein Sparziel, er ist der Ersatz für den Dispo bei kleinen Beträgen. In der Reihenfolge heißt das meist: erst ein kleiner Puffer, dann die Rate auf den Dispo, und wenn der Puffer einmal aufgebraucht ist, wird er vor der nächsten Sonderzahlung wieder aufgefüllt.
Beratungsstelle suchen, BAG-SBDie Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung führt die Suche über die anerkannten Beratungsstellen in Deutschland. Die Beratung dort ist kostenlos.
Online-Schuldnerberatung, CaritasKostenlos und anonym, ohne dass du in ein Büro gehen musst. Die Antwort kommt schriftlich von Beraterinnen und Beratern.
Die App
Der Tag, den du dir selbst setzt, ist in der App ein Countdown: der Dispo-Stand als Restschuld, dein fester Betrag als Monatsrate, und das Datum steht. Jede Zahlung, die du einträgst, rückt es nach vorn, als Tage statt als Prozent. Ohne Konto und ohne Bankverbindung.
Häufige Fragen
- Wie baue ich meinen Dispo am schnellsten ab?
- Am schnellsten geht es, wenn du dem Dispo die Rate gibst, die er von sich aus nicht hat: einen festen Betrag, der jeden Monat auf das Konto geht und dort bleibt. Rechne mit dem Stand kurz vor dem Gehalt, denn die Zinsen laufen auf den Betrag im Minus und auf die Tage, an denen er im Minus steht. Setze die Rate so, dass du sie in der zweiten Monatshälfte nicht zurückholen musst, sonst sinkt der Saldo nur auf dem Papier.
- Warum sind die Zinsen beim Dispokredit so hoch?
- Der Dispo ist Kredit ohne Laufzeit, ohne Tilgungsplan und ohne Sicherheit, sofort verfügbar und jederzeit rückzahlbar. Die Bank muss den eingeräumten Betrag dauerhaft bereithalten, auch in Monaten, in denen er nicht genutzt wird, und sie hat keinen Termin, an dem sie ihr Geld zurückbekommt. Diese Verfügbarkeit ist der Sinn des Produkts, und sie steckt im Zinssatz. Den Satz deiner Bank findest du im Preis- und Leistungsverzeichnis.
- Lohnt sich eine Umschuldung vom Dispo in einen Ratenkredit?
- Rechnerisch lohnt sie sich, wenn der Zinssatz des Ratenkredits unter dem Dispozins liegt, und sie ändert noch etwas Größeres: aus einem offenen Saldo wird eine Rate mit Enddatum. Die Falle kommt danach, denn der Dispo bleibt eingeräumt und steht wieder in voller Höhe bereit. Wird er erneut genutzt, zahlt der Haushalt die Kreditrate und den Dispo gleichzeitig. Kläre vor der Auszahlung, was mit der Linie passiert.
- Was passiert, wenn ich mein Konto über den Dispo hinaus überziehe?
- Für den Teil über dem eingeräumten Betrag gilt ein eigener, höherer Zinssatz, solange er offen ist. Die Bank muss das nicht zulassen und kann Buchungen auch zurückweisen, was auf der Gegenseite Rücklastschriftkosten auslöst. Wenn ein Konto über längere Zeit stark überzogen ist, muss die Bank dich ansprechen und eine Beratung über günstigere Möglichkeiten anbieten.
- Soll ich zuerst den Dispo oder den Ratenkredit abbezahlen?
- Vergleiche die Zinssätze und bediene den höheren zuerst, solange bei beiden nichts überfällig ist. Der Dispo liegt in der Regel oben, und er hat einen zweiten Vorteil: jeder Euro wirkt am selben Tag, weil der Saldo sofort sinkt und die Zinsberechnung sofort folgt. Eine Sondertilgung beim Ratenkredit ist an die Bedingungen aus dem Vertrag gebunden.
- Was heißt es, wenn ich immer im Dispo bin?
- Es heißt, dass der Dispo die Aufgabe übernommen hat, die sonst ein Puffer auf einem zweiten Konto hätte. Das passiert von allein, weil das Produkt kein Enddatum kennt und niemand eine Rate dafür einzieht. Zum Ändern braucht der Dispo die zwei Dinge, die er nicht mitbringt: einen festen Betrag, mit dem er abgebaut wird, und ein kleines Guthaben außerhalb des Girokontos für Rechnungen, die ohne Ankündigung kommen.
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