Buy now, pay later: Schulden bei mehreren Anbietern
Später bezahlen entsteht im Checkout in zwei Klicks, und die offenen Beträge liegen danach bei jedem Anbieter einzeln, ohne dass eine Stelle sie zusammenrechnet.
Von Deniz Erginos. Stand
Später bezahlen ist ein Kredit, der nicht wie einer aussieht. Im Checkout steht die Zahlart neben Überweisung und Karte, du wählst sie an, die Bestellung geht raus, und in dem Moment ist ein Vertrag geschlossen. Es gibt keinen Antrag, keinen Termin bei der Bank, keine Unterschrift und keine Wartezeit auf eine Zusage. Wenn dir später die offenen Beträge nicht einfallen, die Bestellungen aber schon, liegt das nicht an dir: die Zahlart ist so gebaut, dass sie den Kauf nicht aufhält, und ein Vertrag, der niemanden aufhält, hinterlässt keine Erinnerung. Gezählt wird er trotzdem. Er steht als Forderung in den Büchern des Anbieters, er hat eine Fälligkeit, und bei einem längeren Ratenplan hat er einen Zinssatz. Was fehlt, ist die eine Stelle, an der alle diese Verträge zusammen auftauchen. Die drei Varianten, die im Checkout gleich aussehen, unterscheiden sich genau in diesem Punkt, und der Unterschied entscheidet, was ein Posten dich am Ende kostet.
Drei Formen hinter derselben Zahlart
- Zahlung in einigen Wochen
- Der ganze Betrag wird nach einer kurzen Frist fällig, in der Regel ohne Zinsen. Geld kostet diese Form erst, wenn der Termin verstreicht.
- Aufteilung in wenige Raten
- Der Kaufbetrag verteilt sich auf eine Handvoll Termine, häufig ohne Zinsen. Der Plan läuft nach seinem eigenen Kalender weiter, unabhängig davon, was mit der Ware passiert.
- Ratenplan über mehrere Monate
- Ein Verbraucherkredit mit Laufzeit und Zinssatz. Der effektive Jahreszins steht in der vorvertraglichen Information, die du beim Abschluss bekommen hast, nicht in der Kaufübersicht der App.
Warum die Summe nirgends steht
Jeder Anbieter zeigt seine eigenen Posten und sonst nichts. In der App von Klarna stehen die Klarna-Käufe, in PayPal die PayPal-Raten, und was über die Kasse eines Händlers unter dessen eigenem Namen gelaufen ist, findest du nur im Kundenkonto dieses Shops. Innerhalb einer App ist die Ansicht meist ein Kauf pro Bildschirm, mit Artikel, Restbetrag und nächstem Termin. Eine Zeile mit allem, was bei diesem einen Anbieter offen ist, gibt es selten, eine Zeile über alle Anbieter gibt es nicht. Drei Stellen halten je ein Stück der Information: der Shop weiß, was du gekauft hast, der Zahlungsanbieter weiß, was davon noch offen ist, und deine Bank sieht eine Abbuchung mit einem Verwendungszweck, der oft weder den Shop noch den Artikel nennt. Bei zwei Anbietern fällt das kaum auf. Ab dem dritten fehlt der Überblick nicht wegen der Höhe der Beträge, sondern wegen ihrer Verteilung, und die Summe entsteht erst, wenn du die drei Quellen einmal nebeneinander legst.
Zwei Kosten, die nicht Zins heißen
Bei den zinslosen Formen kostet der Kredit selbst nichts, und trotzdem gibt es zwei Wege, auf denen Geld dazukommt. Der erste ist der verstrichene Termin. Ab da berechnet der Anbieter eine Gebühr je Mahnung, deren Höhe in seinen Nutzungsbedingungen steht, und die Stufe danach ist die Abgabe an ein Inkassounternehmen, dessen Kosten oben auf die Forderung kommen. Gebühren wachsen nicht mit der Zeit, sie fallen in einem Schritt an, deshalb ist ein zinsloser Posten kurz vor der Mahnung teurer als ein verzinster, der planmäßig läuft. Der zweite Weg ist die Rücksendung ohne Gutschrift. Du schickst die Ware zurück, der Shop nimmt sie an, und der Zahlungsplan beim Anbieter läuft weiter, weil der Anbieter von der Rücksendung nichts erfährt, solange der Shop sie ihm nicht meldet. Die Raten gehen also weiter ab für etwas, das du nicht mehr hast, und wenn du sie von deiner Seite aus stoppst, wird daraus eine offene Forderung mit Mahnstufe.
- Der Plan endet nicht mit der Rücksendung, sondern erst, wenn der Anbieter eine Gutschrift oder eine Stornierung verbucht hat.
- Zeige die Rückgabe im Kundenkonto des Anbieters an, nicht nur beim Shop. In den Apps gibt es dafür pro Kauf eine eigene Funktion, und erst dieser Eintrag erreicht die Stelle, die die Fälligkeit führt.
- Notiere das Datum der Rücksendung und die Sendungsnummer. Beides brauchst du, wenn die Gutschrift ausbleibt und du der Forderung widersprechen willst.
- Setze die Zahlungen nicht einfach aus, solange nichts verbucht ist. Bis zur Gutschrift bleibt der Betrag eine offene Forderung, und eine ausgesetzte Rate löst dieselbe Mahnstufe aus wie eine vergessene.
- Ein Storno beim Shop und die Auflösung des Zahlungsplans sind zwei Vorgänge. Der erste ist schnell erledigt, der zweite braucht die Meldung des Shops an den Anbieter, und dazwischen liegen manchmal Wochen.
- Prüfe nach der Gutschrift, ob der Posten im Konto des Anbieters wirklich auf null steht. Eine Teilgutschrift lässt den Rest weiterlaufen, und der Rest hat wieder einen Termin.
Alle Anbieter auf eine Liste
- Geh alle Apps und Kundenkonten durch, über die du schon einmal später bezahlt hast, und notiere jeden offenen Kauf einzeln.
- Schreib zu jedem Posten drei Angaben auf: Restbetrag, nächster Termin, Zinssatz. Bei den zinslosen Formen bleibt das dritte Feld leer, und auch das ist eine Information.
- Nimm die Kassen der Händler dazu, bei denen die Ratenzahlung unter dem Namen des Shops läuft. Diese Posten stehen in keiner der bekannten Apps.
- Sieh die letzten Kontoauszüge durch und suche Abbuchungen, die du keinem Posten auf der Liste zuordnen kannst. Das ist der schnellste Weg zu dem, was in der Erinnerung fehlt.
- Ergänze am Ende alles, was nicht über später bezahlen läuft: Dispo, Kreditkarte, Bankkredit, Handyvertrag mit Gerätefinanzierung.
- Addiere die Monatsbeträge. Diese Zahl ist der Teil deines Einkommens, der schon vergeben ist, bevor der Monat anfängt.
Beratungsstelle suchen, BAG-SBWenn die Monatsbeträge zusammen größer sind als das, was am Monatsende übrig bleibt, ist die Frage nicht mehr die Reihenfolge, sondern die Verhandlung. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung führt die Suche über die anerkannten Beratungsstellen in Deutschland, und die Beratung dort ist kostenlos.
Online-Schuldnerberatung, CaritasKostenlos und anonym, ohne dass du in ein Büro gehen musst. Die Antwort kommt schriftlich von Beraterinnen und Beratern, und für den ersten Kontakt reicht es, wenn du beschreibst, welche Anbieter offen sind.
Die App
Die App ist die Stelle, die zusammenrechnet: jeder offene Betrag wird ein Blatt, zusammen bekommen sie ein Datum, und jede Zahlung rückt es nach vorn. Von Hand eingetragen, ohne Kontozugriff, die Zahlen bleiben auf dem Telefon.
Häufige Fragen
- Sind Buy-now-pay-later-Zahlungen Schulden?
- Ja. Sobald du im Checkout später bezahlen wählst, besteht eine Forderung gegen dich mit einem Betrag und einer Fälligkeit, bei einem längeren Ratenplan zusätzlich mit einem Zinssatz. Dass es keinen Antrag und keine Unterschrift gab, ändert daran nichts. Für die eigene Rechnung gehören diese Beträge deshalb in dieselbe Liste wie Dispo und Bankkredit.
- Wie sehe ich alle offenen Ratenzahlungen bei verschiedenen Anbietern?
- Es gibt keine Ansicht, die das für dich tut. Jeder Anbieter zeigt nur die eigenen Käufe, meist einen pro Bildschirm, und Ratenzahlungen, die über die Kasse eines Shops unter dessen Namen laufen, stehen nur im Kundenkonto dieses Shops. Du bekommst die Summe, indem du jeden Posten mit Restbetrag und Termin einmal abschreibst und danach die Kontoauszüge nach Abbuchungen durchsuchst, die auf der Liste fehlen.
- Was passiert, wenn ich eine Rechnung später bezahle als vereinbart?
- Zuerst kommt eine Zahlungserinnerung, danach eine Mahnung mit einer Gebühr, deren Höhe in den Nutzungsbedingungen des Anbieters steht. Bleibt der Betrag offen, geht die Forderung an ein Inkassounternehmen, dessen Kosten obendrauf kommen, und eine Zahlungsstörung kann an eine Auskunftei gemeldet werden. Diese Kosten hängen nicht am Zins, sondern an der Stufe, deshalb ist der Anruf vor dem Termin der günstigste Schritt.
- Muss ich weiterzahlen, wenn ich die Ware zurückgeschickt habe?
- Solange der Anbieter keine Gutschrift und keine Stornierung verbucht hat, bleibt der Betrag offen und die Termine laufen. Zeig die Rückgabe deshalb im Kundenkonto des Anbieters an und behalte Datum und Sendungsnummer. Zahlungen einfach auszusetzen führt zur Mahnung, auch wenn die Ware längst beim Shop liegt.
- Ist die PayPal-Ratenzahlung ein Kredit?
- Bei der Aufteilung auf wenige Termine ist es eine Zahlungsvereinbarung ohne Zinsen. Über eine längere Laufzeit ist es ein Verbraucherkredit mit Laufzeit und effektivem Jahreszins. Welche der beiden Formen du hast, steht in der Bestätigung zum Kauf und in den Vertragsunterlagen, nicht in der Übersicht der offenen Zahlungen. Offen ist der Betrag in beiden Fällen.
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